Donnerstag, 31. März 2011

Paradies für Tiere


Information über Kuhpraktiker und Stallseminare

Meine Frau und ich haben 2005 den Bauernhof von unseren Eltern übernommen. Unser Ziel war es nach der Übernahme sofort einen Laufstall für unsere Tiere zu bauen. ( bis 2005 waren die Tiere alle im Anbindestall angehängt).

Nach damaligem Vorbild von Gut Aiderbichl habe ich davon geträumt, ein Paradies für unsere Tiere zu errichten, was uns mittlerweile auch gelungen ist.
Dies ist umso erfreulicher, da wir im Gegensatz zu Herrn Aufhauser mit unseren Tieren auch Geld verdienen müssen, um den Bauernhof erhalten zu können.

Gleichzeitig haben wir auch damit begonnen unsern Betrieb auf Bio umzustellen.

Mittlerweile können wir sagen, dass sich nach 5 Jahren der Laufstall bestens bewährt hat und wir ständig versuchen noch etwas zu verbessern, um das Wohlbefinden der Tiere zu steigern.

Da es meiner Meinung nach aber im Leben um wesentlich mehr geht, als nur um Geld zu verdienen und seinen Besitz zu vermehren, habe ich mich 2007 noch entschlossen, die Ausbildung zum diplomierten Mentaltrainer zu absolvieren.

Bitte verstehen sie mich nicht falsch. Geld ist schön, wichtig und notwendig, denn damit kann man sehr viel Gutes tun. So haben wir von 2005 bis 2010 insgesamt € 500.000.- in die Landwirtschaft investiert und dabei blieben ca. 450. 000.- im Umkreis von 20 km.
Wir haben mit dem Geld also nicht nur ein Paradies für unsere Tiere errichten dürfen, sondern auch viele Arbeitsplätze in unserer Region damit gesichert.

Die schönsten Dinge im Leben habe ich bis jetzt aber immer ohne Geld bekommen, nur war mir das vorher nicht so sehr bewusst. Dies erklärt auch, warum ich mich zur Ausbildung als Kuhpraktiker entschlossen habe.

Motiv:
Überall hört und liest man in der Werbung von glücklichen Tieren und welch Insel der Seligen wir in Österreich mit unserer klein bäuerlichen Struktur sind. Ich finde dies sehr positiv.
In Zukunft werden wir Bauern meiner Meinung nach nur bestehen können, wenn wir anders wirtschaften als der Rest Europas.

Wir müssen alles versuchen um wieder Lebensmittel und nicht Nahrungsmittel zu erzeugen. Wir müssen unseren Produkten wieder mehr Wertschätzung entgegenbringen und dies beginnt meiner Meinung nach schon bei der Behandlung des Bodens und der Behandlung unserer Tiere.
Wenn sich die Tiere so richtig wohlfühlen, hat man als Bauer nicht nur ein gutes Gewissen, sondern kann damit auch zum positiven Image unserer Landwirtschaft einen wesentlichen Beitrag leisten.

Es geht nicht darum irgendetwas schönzureden, sondern authentisch zu sein. Nur damit behalten wir Bauern unsere Glaubwürdigkeit und können die Konsumenten Vertrauen in unsere Lebensmittel haben.
Hier gilt ein sehr großer Dank den Medien und vor allem auch den Salzburger Nachrichten.

Denn nur durch ihre positive Berichterstattung ist es möglich, diese kleinen Paradiese bei uns in Österreich zu erhalten. Nur wenn die Kunden Vertrauen in unsere Produkte haben, sind sie auch bereit einen höheren Preis dafür zu bezahlen.


Kuhpraktiker:

Wissen, reden und schreiben allein ist zu wenig, man muss auch etwas TUN. Deshalb habe ich die Ausbildung zum Kuhpraktiker gemeinsam mit 15 anderen Landwirten gemacht. Ziel ist es dabei sogenannte Stallseminare leiten zu können. Es ist dies ein völlig neues Konzept, welches in Dänemark seit vielen Jahren sehr erfolgreich durchgeführt wird.
Am 7. März 2011 wurde ein Stallseminar in dieser Form zum erstenmal bei uns auf dem Bauernhof durchgeführt.

Stallseminare:

Hier treffen sich 5 bis 10 Bauern egal ob Bio oder nicht, um gemeinsam in einer bestimmten Zeit Erfahrungen auszutauschen und Verbesserungen vor allem im Stallbereich und im Umgang mit den Tieren zu erzielen. Jeder Landwirt berichtet von einem Bereich in dem es besonders gut läuft auf seinem Betrieb und zwei Bereichen, indem er eine Verbesserung oder Tipps von seinen Berufskollegen wünscht. Dies erfordert besonderes Vertrauen denn um etwas zu verbessern, ist es nötig nicht nur den Stall und die Tiere zu besichtigen, sondern auch alle vorhandenen Aufzeichnungen zu analysieren.

Besonderes Augenmerk wird dabei auf das Wohlfühlen der Tiere gelegt. Sowohl der Umgang mit den Tieren, die Haltungsbedingen und die Tiergesundheit stehen im Vordergrund, aber auch die Fütterung ist bei vielen Betrieben ein großes Thema.

Da sich im Laufe eines Jahres alle Mitglieder dieses Stallseminares auf ihren Betrieben gegenseitig besuchen, kann jeder Bauer von den Ideen und Tipps seiner Berufskollegen profitieren. Es ist eine große WIN WIN Situation für alle Beteiligten und am Ende vor allem für die Tiere.

Unser Stall:
Ich möchte hier einige besondere Wohlfühlfaktoren für unsere Tiere aufzählen

* Massage und Putzbürste automatisch - Hier können sich die Tiere sowohl reinigen, als auch massieren lassen. Sie können diese selbst in Betrieb nehmen, sobald sie ihren Kopf oder Rücken anheben, schaltet sich diese Massagebürste automatisch ein.

* Putz und Massagebürste mechanisch - hier können sich die Tiere durch eigene Bewegungen sowohl reinigen als auch selbst massieren, diese Bürsten sind sowohl bei den Kühen, Jungtieren und bei den Islandpferden vorhanden.

* Für jede Kuh besteht ein eigener Freßplatz und dazu für alle gemeinsam noch eine Futterraufe mit Heu. Da wir Bio Heumilch erzeugen bekommen die Tiere nur Gras und Heu als Grundfutter. Dazu haben wir ein Futterband wo die Tiere Tag und Nacht fressen können, was sie wollen. Durch die großen Tränkebecken, steht den Tieren auch rund um die Uhr frisches Trinkwasser zur Verfügung. Ebenso können sie unbegrenzt an Salzsteinen lecken, welches aus Bergkern gewonnen wurde.

* Für jedes Tier im Stall besteht die Möglichkeit einen Auslauf in der frischen Luft zu benützen. Eine Besonderheit sind die Liegeboxen im Auslauf, welche wir den Tieren zusätzlich zu den Liegeboxen im Stall anbieten. Im Sommer liegen die meisten Kühe draußen auf den Liegenboxen. Diese bestehen aus sogenannten Kuhmatratzen, welche unter dem Gummi montiert sind.

* unsere Kühe können es sich aussuchen, ob sie lieber in Tiefbuchten mit Stroheinstreu liegen oder auf den Kuhmatratzen mit Einstreu.

* sehr gut bewährt hat sich auch eine eigene Abkalbe und Krankenbox, wo die Tiere ihre Ruhe vor den den anderen Kühen haben.

* für die Klauenpflege haben wir einen eigenen Klauenpflegestand auf den Liegeboxen montiert, um so schneller und effizienter den Tieren helfen zu können.

* besonders erfreulich für uns ist die Tatsache, dass die Tiere sowohl im Stall als auch im Auslauf sich frei bewegen können und wenn sie wollen direkt vom Auslauf auf die Weide gelangen.

* für die Düngung des Bodens ist es auch noch erwähnenswert, dass bei uns die Gülle vom Mist getrennt wird und so ist es uns auch noch möglich Festmist und damit Humus auf Grund und Boden zu bringen. Seit neuestem befassen wir uns auch mit effektivem Mikroorganismen, die sowohl für die Tiergesundheit als auch für den Boden sehr wertvoll sind.


Was mich aber meisten freut und wo ich meiner Frau sehr dankbar bin, ist der Umstand, dass wir schon seit 6 Jahren völlig auf Antibiotika verzichten und alle unsere Tiere homöpathisch behandeln.
Der Erfolg hat uns überzeugt.
Dazu ist es aber sehr wichtig die Tiere genau zu beobachten und für jedes Tier das geeignete Mittel zu finden.


Dies ist ebenfalls ein Ziel des Kuhpraktikers, seine Tiere genau zu beobachten, einen Tiergesundheitsplan zu erstellen und das Verhalten sowie den Charakter des Tieres besser zu verstehen.

Dies war ein kurzer Überblick über unsere Geschichte, meine Motive, was ein Kuhpraktiker macht und wie Stallseminare funktionieren. Ebenso bin ich sehr dankbar einen richtigen Wohlfühlstall für unsere Tiere zu haben.

Kommentare:

  1. Wirklich einmalig, was Ihr da geschaffen habt. Und herzlichen Glückwunsch zu dem gelungenen Zeitungsartikel. Hoffentlich bringt er die Menschen zum Umdenken.

    Bis bald,
    Jürgen

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  2. Hallo Helmut, freu mich über deinen Blog und deine Ausführungen zum Kuhpraktiker. Wünsch dir alles Gute und weiterhin viel Erfolg.
    Koni (BOKU)

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